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Stadttauben

BEITRAG VOM 13.02.2026

Taubenvögel (lat. Columbiformes) sind faszinierende Tiere. Der Mensch hat Tauben, als erste Vögel überhaupt, domestiziert und zahlreiche verschiedene Rassen geschaffen. Sie haben einen hervorragenden Orientierungssinn, sind hochintelligent, fliegen bis zu 160 km/h schnell und leben sozial in Gruppen in einer oft lebenslänglichen Partnerschaft.

Im Christentum steht eine Taube für den heiligen Geist. Es war eine Taube, die Noah am Ende der Sintflut einen Olivenzweig brachte. Damit symbolisiert dieses Tier die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen.

Um das Verhalten und die Bedürfnisse eines Tieres zu verstehen hilft, immer, der Blick auf die Urform. Aus dem Verständnis der Biologie dieser Tiere, kann sich auch eine erfolgreiche Taubenabwehr ergeben.

Unsere Stadttauben stammen allesamt von verwilderten Haustauben ab. Haustauben stammen alle von den wilden Felsentauben ab. Stadttauben haben wieder das graue Federkleid ihrer Urahnen, den Felsentauben, angenommen. 

Felsentauben leben an felsigen Küsten Eurasiens und Afrika. Sie benötigen einen stabilen Untergrund und sind, als Höhlenbrüter, auf Felshöhlen und Felsspalten zum Brüten angewiesen. Die Brutzeit beträgt ca. 17 Tage. Sie werden von beiden Elterntieren für 10 Tage mit Kropfmilch und danach mit vorverdautem Körnerfutter versorgt. Mit ca. 4 Wochen verlassen sie das Nest. Die monogamen Elterntiere verteidigen ihr Nest vehement, das ist bei einem einzelnen Nest im Felsen kein Problem. Die Jungtiere gehen einfach Richtung Ausgang, wo das Licht hereinfällt und fliegen das erste Mal. Das Nest ist sehr einfach und dient nur der Unterlage für zwei Eier. Im Gegensatz zu anderen Tauben, wie den Ringel-, Türken- und Turteltauben, brüten Stadttauben nie in Bäumen, sondern immer an Gebäuden. Sie ernähren sich von Getreide, Eicheln und Samen von Bäumen, Knospen, Beeren und vereinzelt auch von Schnecken, Insekten und Würmern. 

Unsere Stadttauben wollen ähnlich leben, sind jedoch zu Allesfressern geworden und haben eine höhere Vermehrungsrate. Nach sechs Lebensmonaten sind Stadttauben schon fähig zu brüten. Sie können 3-7-mal pro Jahr und auch im Winter brüten. Normal sind sechs Bruten im Jahr mit jeweils zwei Jungtieren, also pro monogamen Brutpaar gibt es im Schnitt 12 Junge pro Jahr mehr!

Wenn Stadttauben ein Problem für Menschen darstellen, muss an mehreren Stellen gleichzeitig eingegriffen werden. 

Unter normalen Bedingungen sind Tauben keine Schädlinge, sie können jedoch für Menschen lästig werden.

Wichtig ist, dass es kein Futterangebot in der Stadt gibt. Ansonsten harren große Taubengruppen so lange aus, bis sie etwas erhalten und fliegen nicht mehr in die umliegende Natur um zu Fressen. Abhängig vom angebotenen Futter kann es zu Mangelerscheinungen bei den Vögeln kommen.

Eine tierschutzgerechte Taubenabwehr ist ebenso wichtig. Diese muss nicht teuer sein, oft helfen einfache Mittel wie Flatterbänder oder Abschrägungen an Anlandeflächen. Von ihren Urahnen kommt nämlich die Notwendigkeit des Vorhandenseins eines ebenen und stabilen Bodens. So gibt es z.B. Fledermausfreundliche Taubenwippen für Einflugöffnungen in Gebäuden.

Schlafplätze und Nistmöglichkeiten sollten nicht vorhanden sein. 

Tauben dürfen keinen Zugang zu Innenräumen oder unbenutzten Balkonen, Blumenkästen etc. haben. Diese werden sofort als Schlaf- und Brutmöglichkeit im Sinne dieser Vögel umfunktioniert!  Eine optimierte Bauplanung, ohne Nischen und Höhlen, ist für die Taubenabwehr essentiell. 

Wichtig ist daran zu denken, dass andere Wildvögel und Wildsäugetiere wie Singvögel, Greifvögel und Fledermäuse oder Igel bei der Taubenabwehr nicht verletzten werden. Eine korrekte Montage und regelmäßige Wartung aller Systeme ist immer nötig, die Errichtung ohne Wartung reicht nicht. Ansonsten sterben Tauben und andere Tiere, wenn sie z.B. durch Löcher in Netzen hinein aber nicht mehr hinauskommen. Sogenannte Spikes können verschmutzen und zur tödlichen Falle, auch für andere Tiere werden. Spikes sind wartungsintensive Schmutzfänger und dürfen übrigens niemals flächig verbaut werden, sie sind immer nur an Landekanten anzubringen. Sie dürfen, natürlich, nicht zugespitzt ausgeführt sein.

Massenbrutplätze auf horizontalen Ebenen sind immer auch ein Problem für die Tauben selbst. Die Ansammlung von Taubenkot ist unhygienisch und durch die Verteidigung der Nester erleiden Jungtiere beim Weg zum ersten Flug schwere Verletzungen, die oft zum Tod führen. Solche Massenbrutplätze müssen dringend professionell geschlossen werden. Dadurch das Tauben so sehr auf ihren Aufzuchtort geprägt sind, muss ein Ausweichquartier vor der Sanierung geschaffen werden. Ansonsten werden die menschlichen Anrainer massiv belästigt.

Die effektivste Taubenregulation wäre ein professioneller Taubenschlag, wo Tauben adäquat versorgt werden und eine Geburtenkontrolle erfolgt.

Unter Tierschutzombudsstelle Wien - Stadttauben findet man zum Thema der tierschutzgerechten Taubenabwehr ausführliche Informationen. Fall es eine Glasschlagproblematik gibt, verweise ich auf den link wua-vogelanprall-muster-2022.pdf, mit sehr guten Tipps.

Wie immer im Leben ist es besser, ein Problem erst gar nicht entstehen zu lassen und Wissen hilft dabei!

 

Mag. Dr. Jutta Wagner, Tierschutzombudsfrau des Landes Kärnten im Februar 2026